| triumph und elend des neoliberalismus kongress der schweizerischen gesellschaft für soziologie www.sagw.ch/soziologie 1. - 3. oct. 03 |
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Willkommen zum XIII. Kongress der Schweizerischen Gesellschaft für Soziologie Wir heissen Sie herzlich zum SGS-Kongress 2003 willkommen. Mit „Triumph und Elend des Neoliberalismus“ haben wir ein Thema gewählt, das gegenwärtig eine breite Öffentlichkeit beschäftigt. Der Neoliberalismus hat in den 90er Jahren einen beispiellosen Triumphzug erlebt. Zum einen schien der Zusammenbruch der sozialistischen Staatenwelt die Überlegenheit marktwirtschaftlicher Organisationsformen im globalen Massstab bewiesen zu haben. Zum andern verstärkte dies im Westen eine gesellschaftspolitische Position, die bereits die Wirtschaftskrise Mitte der 70er Jahre und die Stagnationstendenzen in den 80er Jahren direkt auf das sozialmarktwirtschaftliche Gesellschaftsmodell zurückführte, welches seit dem zweiten Weltkrieg die westlichen Zentrumsnationen charakterisierte und ihre „systemische“ Überlegenheit gegen den „real existierenden“ Sozialismus des Ostens markierte. Nach dem starken Staat des sozialmarktwirtschaftlichen Gesellschaftsmodells und des Antikommunismus sollte nun „weniger Staat mehr Freiheit“ und gleichzeitig auch mehr Wohlstand schaffen. Dieser marktliberale Furor gegen die gewachsene Staatsquote und den Staatsinterventionismus verdichtete sich in einem wirtschaftspolitischen Programm, welches über die Begriffe Deregulierung, Dezentralisierung, Flexibilisierung, Marktprinzip, NPM fast jeden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereich durchdrang. Im Zeichen der „Globalisierung“ erzielte dieser klassisch wirtschaftsliberale Antietatismus zusätzliche Plausibilität, indem der Politik immer weniger Regelungspotential zugeschrieben wurde. Schon seit einiger Zeit formiert sich eine deutliche ebenfalls „Globalität“ in Anspruch nehmende Gegenbewegung, die sich an den Funktionsmängeln marktwirtschaftlicher Organisation orientiert, die Ökonomisierung des Sozialen beklagt, die Relevanz des Service public betont, neue Exklusionsformen bezeichnet, die deutlich gewachsene Ungleichheit in der Weltgesellschaft wie in den einzelnen nationalen Gesellschaften sowie das gesunkene Potential demokratischer Selbstherrschaft hervorhebt. Mit dieser Kritik werden gleichzeitig die Funktionalität wie der ethische Gehalt dieses wirtschaftspolitischen Programms in Frage gestellt. Das Elend des Neoliberalismus wird beschrieben, indem die blinden Flecke seines inhärenten ökonomischen Reduktionismus herausgehoben werden. Der Differenzierungsgrad der öffentlichen Debatten ist allerdings noch durch einen stark ideologisch geladenen Schlagabtausch begrenzt, sowohl was den ursprünglich von Eucken, Hayek, Robbins und Röpke portierten Neoliberalismus anbelangt als auch was die Neoliberalismus-Kritik betrifft. Ziel unseres Kongresses ist es, den bereits bestehenden wissenschaftlichen Beitrag aus soziologischer Sicht zur Geltung zu bringen und darüber hinaus neue Erkenntnisse über die aktuelle Entwicklungsdynamik zu fördern. Die Plenumsveranstaltungen setzen dabei drei Schwerpunkte: Erstens soll das Verhältnis von Politik und Wirtschaft im Spannungsfeld von Deregulation und Reregulation diskutiert werden. Zweitens wird die Renaissance der sozialen Frage thematisiert, die in der Soziologie seit jeher und weit mehr als in der Ökonomie ein wichtiges Forschungsfeld bildete. Das dritte Thema schliesslich, die Produktionsprozesse globaler Ungleichheiten, weitet den Blick auf die Weltgesellschaft ein an der Universität Zürich traditionsreiches Forschungsgebiet , liegen doch mittlerweile einschlägige Erfahrungen mit neoliberalen Entwicklungskonzepten sowohl aus der Dritten Welt als auch aus den ehemals sozialistischen Ländern des Ostblocks vor. In den Mittagsveranstaltungen hält jeweils ein Gastredner ein Referat zum Plenumsthema des Tages. Schliesslich werden jeweils nachmittags in insgesamt 19 themenspezifischen Workshops bestimmte Aspekte des Kongressthemas vertieft. Wir danken unseren Gastgebern, den Kolleginnen und Kollegen vom Soziologischen Institut der Universität Zürich, dass sie sich bereit erklärt haben, den diesjährigen Kongress der SGS zu beherbergen. Dank gebührt auch der Universität Zürich für ihre Gastfreundschaft. Ferner danken wir allen Referentinnen und Referenten, die zu unserem Kongressthema einen Beitrag leisten, und insbesondere auch allen Organisatorinnen und Organisatoren, die einen Workshop organisiert haben. Thomas S. Eberle (Präsident SGS) Kurt Imhof (Vize-Präsident SGS) |