GENÈVE/GENF/GENEVA, 19 - 22 SEPTEMBRE/R 2001
     

français

MODULE : Sociologie interpretative/Sociologie interpretative

 
deutsch




Olaf BEHREND , avec/mit Ingo WIENKEND
Université de Frankfurt,  obehrend@stud.uni-frankfurt.de

DIE SEQUENZANALYSE DER OBJEKTIVEN HERMENEUTIK UND DIE KLINISCHE SOZIOLOGIE ALS BASIS FALLORIENTIERTER BERATUNG UND WEITERBILDUNG

n diesem Vortrag wird das Konzept der klinischen Soziologie im Verständnis der objektiven Hermeneutik anhand einer Intervention bei einer Personalberatung vorgestellt. Das Konzept ist fallorientiert, nutzt zur Analyse (Diagnose) das hermeneutische Verfahren der Sequenzanalyse und orientiert die Intervention an einer revidierten Fassung der Professionalisierungstheorie. Inhaltlich steht eine Weiterbildung als Bestandteil eines mehrstufigen Beratungsprozesses im Mittelpunkt des Vortrages. In dieser Form der Weiterbildung wird die Sequenzanalyse genutzt, um die Teilnehmer für Fallorientiertheit in ihrem eigenen Vorgehen zu sensibilisieren. Es wird genauer untersucht, wie sich die beschriebene Schulung in einem Unternehmen von Weiterbildungen in einem professionalisierungsbedürftigen Bereich (z.B. Sozialpädagogik, Lehrerausbildung) unterscheidet. Ein weiterer Fokus im Vortrag ist die Frage, warum die einzelnen Phasen in der Beratung klar geschieden sein müssen und welche Aufgaben den einzelnen Elementen des Gesamtberatungsprozesses zukommen.

Max BERGMANND
Sidos et Panel suisse de Ménages, Neuchâtel Université de Cambridge,  mmb21@cam.ac.uk

„TO WHOM WILL YOU LIKEN ME AND MAKE ME EQUAL?“ QUALITY CONCERNS IN INTERPRETATIVE RESEARCH METHODS

What if interviews and focus groups were local accomplishments, context-bound elaborations of meaning between inter-actors, and what if interpretations of these data are incontestable due to inter-subjectivity and hermeneutic considerations? For one, there would be no need to collect data because any, or no, data could support any argument. For another, the utility of qualitative methods within applied research would be questionable. This paper critically examines quality concerns of interpretative methods. Without undermining propositions relating to multiple meanings, conditions under which such considerations are necessary for applied research are discussed.

Caroline BÜHLERND
Universität Bern,  caroline.buehler@soz.unibe.ch

DAS „MÄNNLICHE“ BERUFSPRINZIP UND DIE SELBSTVERWIRKLICHUNG DER FRAUEN. KONTRASTIERENDE FALLANALYSEN ZU DEN AUSWIRKUNGEN VON PROZESSEN DER „ENTBERUFLICHUNG“ AUF SELBSTVERSTÄNDNIS UND ARBEITSETHIK JUNGER ERWERBSTÄTIGER

In meinem Referat nehme ich sowohl die berufssoziologische Diskussion über die "Entberuflichung" als auch die Frage nach strukturellen Auswirkungen des - "männlich" konnotierten - Berufsprinzips auf die Erwerbsbeteiligung von Frauen auf. Im Zentrum aber steht die Frage nach der Bedeutung des Berufs für die Identität und Lebensplanung von erwerbstätigen Frauen und Männern. Anhand von kontrastierenden Fallanalysen will ich in meinem Referat zeigen, welche Formen der Beruflichkeit und welches Selbstverständnis in der Arbeit bei 20-30jährigen Frauen und Männern rekonstruiert werden können. Es soll exemplarisch dargestellt werden, welche ethischen Standards die Einzelnen vor dem Hintergrund veränderter Bedingungen in ihrem Handlungsfeld überhaupt noch entwickeln bzw. aktualisieren können.

Thomas EBERLEND
Universität St Gallen,  thomas.eberle@unisg.ch

'ADEQUACY OF MEANING': THE 'ADEQUATE' METHODOLOGICAL CRITERION FOR QUALITATIVE STUDIES

Recent debates on qualitative methods have focussed on the development of certain research standards, notably on how to assess the 'validity' and even 'reliability' of qualitative studies. My thesis is that this is a rather misleading development and that we should instead establish 'adequacy of meaning' as the critical methodological criterion for interpretative studies. While Max Weber tried to reconcile 'adequacy of meaning' and 'causal adequacy, the present situation in sociology may be described as a tension between them: positivist sociologists – usually employing quantitative methods – are more interested in causal adequacy and curtail the adequacy of meaning considerably. In contrast to this, interpretative sociologists are more interested in the adequacy of meaning which makes them cautious about – and often reluctant to – causal constructions. In contrast to the concept of 'validity', 'adequacy of meaning' inevitably takes into account the interpretative nature of the social world.

Reiner FRANZPÖTTERND
Hamburger Institut für Sozialforschung,  franzpoetter@his-online.de

OUTPLACEMENTBERATUNG UND DIE KATEGORIE DER „ÜBERFLÜSSIGEN“

In der Diskussion über die Folgen des organisatorisch-wirtschaftlichen Strukturwandels erlangen derzeit Theorien und Praktiken eines gezielten Outplacements von Personal an Bedeutung. Die Experten des Outplacements unterscheiden in ihrer Praxis zwischen „Kunden“ und „Klienten“. Als Auftragnehmer von Unternehmen, die radikale Personalabbaustrategien durchführen (z.B. als Folge einer Fusion), übernehmen sie alle Aufgaben zur „Entsorgung“ des freigesetzten Personals, insbesondere des Führungspersonals. Die „Überflüssigen“ werden im Verfahren des Outplacements zu „Klienten“, denen umfassende praktische Hilfestellung zur Bewältigung ihrer Lebenssituation nach der Entlassung vermittelt werden soll. Mein Beitrag verfolgt zwei Ziele: Erstens geht es mir darum, den theoretischen Hintergrund der zunehmenden Verbreitung von Praktiken des Outplacements zu erhellen. Es wird aufgezeigt, wie im Zuge organisatorischer Restrukturierungsprozesse die neue Kategorie der „Überflüssigen“ und „Entbehrlichen“ aufkommt und sich in der Semantik betrieblich-organisatorischer Prozesse verfestigt hat. Zweitens sollen anhand empirischer Fallmaterialien, die mittels Beobachtung von Beratungs- und Schulungssituationen in einer Outplacement-Agentur sowie durch Interviews mit Outplacementberatern und -klienten erhoben wurden, wesentliche Merkmale der Typik und des Verlaufs von „Überflüssigen“-Karrieren beschrieben werden.

Christoph MAEDERND
Universität St Gallen,  christoph.maeder@fhsg.ch

ON FOLK TAXONOMIES, SCHEMES AND CULTURAL MODELS: ETHNOSEMANTICS AND THE INTERVENTION INTO THE SOCIAL ORGANIZATION OF WORK PRACTICE

Drawing on three ethnographic studies of work practice (nurses, social workers and public managers) ethnosemantic structures of these work environments will be sketched out to discuss a research method developed within the cognitive anthropology. This kind of workplace study is not only salient for ethnography, but for qualitative sociology in general. Results produced with this approach have a high potential for managerial or professional intervention. They allow the production of ‘useful artifacts’ like manuals, software, intervention schemes etc. Issues concerning ethnosemantics are: - the capability of linking data from participant observation and interviewing; -the compatibility with concepts like e.g. membership categorization device analysis (MCD analysis) or semiotics and even discourse analysis; - the development of useful categories for the sociology of knowledge - the potential to guide successful intervention.

Véronique MOTTIERND
University of Cambridge,  vm10004@hermes.cam.ac.uk

VALIDITY AND THE INTERPRETATIVE TURN IN THE SOCIAL SCIENCES

Whereas positivist approaches aim to offer objective accounts of reality, post-positivist perspectives recognize the flawed nature of all methods, and therefore the impossibility of ever fully achieving this aim. In contrast, interpretive perspectives abandon all claims to objectivity to emphasize instead the subjective nature of constructions of meaning, both by the research subjects and by the researcher, as well as the reflexive nature of the research process. Interpretive methods are routinely accused of dispensing with validity altogether. In turn, at least some interpretive researchers tend to dismiss the concept of validity as irrelevant to their methods, given its positivist connotations. In contrast, this paper argues that the concept of validity raises issues that are of central concern to interpretive perspectives. It explores these issues with particular focus on textual analysis.

Ruth ROSSIERND
Dipl. Ing.-Agr. ETH,  ruth.rossier@fat.admin.ch

ENTSCHEIDUNGSMUSTER UND HANDLUNGSSTRUKTUREN VON BAUERNFAMILIEN: WELCHE BETRIEBLICHE ENTWICKLUNGSSTRATEGIE MACHT SINN FÜR DIE FAMILIE UND WARUM?

In dieser Arbeit geht es um den Veränderungsprozess in der Landwirtschaft. Die neue Agrarpolitik zielt seit den 90er Jahren von einer Preis und Absatz gestützten Agrarpolitik zu einer ökonomisch, ökologisch und sozial nachhaltigen Landwirtschaft. Viele Bauernfamilien sind aufgrund dieser Veränderungen gezwungen, ihre Situation und Wirtschaftsweise zu überdenken und sich neu zu orientieren. Wir fragen uns, welche betriebliche Entwicklungsstrategie für die Bauernfamilie Sinn macht und weshalb sie sich für eine bestimmte betriebliche Ausrichtung oder Struktur entscheidet. Es geht um die sozialen Verknüpfungen innerhalb der Familie, welche bestimmte Entscheidungsmuster und Handlungsstrukturen hervorbringen und sich auf gewählte Entwicklungsstrategie auswirken kann. Betriebswirtschaftlich kommen vielleicht verschiedene Entwicklungsmöglichkeiten in Frage, diese sind jedoch nicht immer mit dem gelebten Familienkonzept kompatibel.




Socio.01
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